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49 Tage

Gestern und vorgestern waren deine Lebensfeier (eigentlich ja Abschiedsfeier, aber so gefällt es mir auch besser) und deine Beerdigung. Ich habe noch nichts in dein Kondulenzbuch geschrieben. Es stehen aber schon schöne Dinge drin. Alle lieben Marks rührenden Worte. Ich habe keine Lust jetzt was zur Beerdigung zu schreiben. Es kostet Kraft. Ich wollte Sachen sammeln um ggf. diese mal in das Kondulenzbuch zu schreiben. Aber aktuell bin ich noch nicht "rein". Ich bin zu emotional und mache alle Phasen der Trauer auf einmal durch. Ich muss meinen Weg fortan ohne dich gehen, nachdem wir ihn solange gemeinsam gegangen sind. Mal sind wir getrampelt, mal getanzt, mal gehüpft, mal geschlürft, mal gestolpert. Oft abwechselnd, auch gemeinsam. Aber nun stehe ich hier alleine. Dein Weg war nun zu Ende und obwohl es nicht unlogisch war aufgrund deiner Vorgeschichte, so war es doch irgendwie unerwartet. Ich hatte gedacht, wir gehen ihn noch länger zusammen. Vielleicht wenigstens voll...
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Davor

August 8 (21. Tage davor): Aber es ist tatsächlich eine Angst von mir: Komme ich finanziell ohne Philipp aus? Ich weiß, dass es schwer wird und ich enorm überfordert sein werde... aber finanziell wäre es ok. Natürlich nur, wenn ich weiter Vollzeit arbeite und Philipp mich nichts kostet. Theoretisch bleibt auch über 1000€ übrig. Und ich habe echt alles abgezogen, was mir begegnet und eingefallen ist. Auch Katzenkosten. Keine Ahnung. Fühlt sich falsch an. Ein Leben nach Philipp. Gibt es irgendwie nicht und irgendwie doch. Es ändert sich theoretisch nicht zuviel. Ich kann halt wegen der Jungs nicht weg. Außer ich bekomme eine Betreuung, die medizinisch bewandert ist. Ich komme alleine nach Hause. Ich bin alleine Zuhause. Ich habe nur noch Arbeit als Leben. Sport bin ich dann so eine "Jemand muss die Butterbrote schmieren!"-Typ. Ach wie schön jämmerlich. Dann kann ich fein schrullig und sonderbar werden und immer fein Mikrowellengerichte mampfen. Nein alleine Wohnen ist kein T...

Tag 39

22 Tage später. Inzwischen habe ich einige Gefühle durch. Ich starre nicht mehr die Stelle des Sofas an, wo sein Hintern die Federn ausgeleiert haben. Es ist nicht mehr so heftig, dass ich nach dem Sport nach Hause komme und es riecht nicht nach Chickenwings. Ich komme derzeit nach Hause und komme halt zu mir, in die verwahrloste chaotische Waschbärwohnung. Am Samstag hatte ich Geburtstag. Eine Kollegin schrieb belustigt auf meinen WhatsApp-Status. Ich hatte bei der Diashow am Donnerstag mit Farin Urlaub ein Urlaub-Autogramm in eine Geburtstagskarte erhascht und mir selbst geschenkt. Geniestreich aber emotional ein Grenzgang. Auf der Rückfahrt saßen wir in der Straßenbahn und sprachen über "Sonne" von Farin Urlaub. Ein Lied wie die Faust aufs Auge. So präzise, dass ich es einfach bei Verschlechterung in den Status gesetzt habe und irgendwie jeder wusste, was los war. Am Tag selbst war es "Watching over me" von Iced Earth. Ja klar. Aber vorher dieses Lied. An d...

Tag 17

Und ich habe gezählt. Morgen wird Philipp eingeäschert. Um 10. Ob ich das fühle? Ich bin gespannt. Das ist seine letzte Chance vorher noch einmal aufzuwachen. Oh ich wünschte, er würde einfach wieder aufwachen und nach Hause kommen. Es fühlt sich an, als wäre er da. Aber er ist es nicht. Der Hafen ist weg, ich bin ein Schiff im wilden Meer. Ich bekam heute eine DM bei Insta als Reaktion auf mein "Ich packe eine Urne aus"-Video, bei dem ich erstaunlich oft die Urne begrabscht habe. "Beeindruckend wie du damit umgehst!". Beeindruckend. Wie ich dir erzähle, dass ich eine Urne bemalen darf und mich freue und dabei nicht heule? Ich heule dafür, wenn ich seinen Bademantel sehe, Dolly Parton läuft. Heute dachte ich erstmals "Das wird Philipp interessieren.". Aber wird es nicht, denn er ist tot! Verfickte Scheiße! Ich bin so wütend. Weil er tot ist. Weil ich klar komme. Weil ich mich über Dinge freue. Ich hasse es. Ich müsste immer weinen und bluten und s...

Tag 13

"Du meldest dich, wenn du was brauchst.". Vor allem hielt ich paranoid wie ich bin ihre Frage nach meinem Befinden zunächst für eine Finte. Ansonsten: Wie bequem. Man kann sich gut fühlen ohne dass man sich stressen muss. Die eine Kollegin bietet konkret an einzukaufen und Essen vor die Tür zu stellen. Die Andere bringt dir eine Überraschungstüte mit. Manche melden sich ab und an. Manche schicken dir ein Bild von etwas Nettem. Manche schreiben, dass sie an dich denken. Eine Tante habe ich abgewiegelt, weil sie telefonieren wollte. Ne. Neee! Aber danke. Keine Kritik. Naja... teilweise. Dann will der Eine gefühlt 24/7 Betreuung. Auch too much, aber irgendwie tut es gut, dass da jemand unbedingt da sein will. Die Einen melden sich gar nicht, nicht mal ein Smiley, ein Herz, ein irgendwas. Wahrscheinlich überfordert. Dabei bin ich gar nicht so anstrengend. Glaube ich. Eine interessante Phase eigentlich. Ich merke, dass der Schock bei den Anderen jetzt nachlässt. Bei mir se...

Hi

Tag 11. Ich habe heute nicht geweint, ich war nur überfordert, ängstlich, einsam, gelangweilt, enttäuscht. Ich war überfordert mit dem Papierkram, der mir durch Philipps Tod im Haus steht. Ich war ängstlich, weil ich nicht wusste ob die Ärztin mich weiter krank schreiben wird. Einsam, weil ich nun mal alleine bin und Werktag jeder tut, was er tun muss. Da wird aus einem Telefonat schon einmal ein Tageshighlight, auch wenn es nur 5 Minuten sind. Gelangweilt, weil ich halt einfach nur Dinge mache wie "Waschen", "Müll raus", "Einkaufen" und Schwupps ist der Tag vorbei. Enttäuscht von mir selbst, weil ich nun mal nur ich bin und einfach der Chaot in der Beziehung war, der von nichts Ahnung hatte. Wo sind wir versichert? Wir sind aber versichert oder? Es fehlt noch das ekelhafte Gefühl, dass ich da zwei Leuten vor den Kopf gestoßen habe, die mir was Nettes wollten, aber die die falschen Begriffe gewählt haben in ihren Mails. "Wer weiß, ob wir so tapfer ...