Und ich habe gezählt.
Morgen wird Philipp eingeäschert.
Um 10. Ob ich das fühle? Ich bin gespannt.
Das ist seine letzte Chance vorher noch einmal aufzuwachen. Oh ich wünschte, er würde einfach wieder aufwachen und nach Hause kommen. Es fühlt sich an, als wäre er da. Aber er ist es nicht.
Der Hafen ist weg, ich bin ein Schiff im wilden Meer.
Ich bekam heute eine DM bei Insta als Reaktion auf mein "Ich packe eine Urne aus"-Video, bei dem ich erstaunlich oft die Urne begrabscht habe. "Beeindruckend wie du damit umgehst!".
Beeindruckend. Wie ich dir erzähle, dass ich eine Urne bemalen darf und mich freue und dabei nicht heule?
Ich heule dafür, wenn ich seinen Bademantel sehe, Dolly Parton läuft. Heute dachte ich erstmals "Das wird Philipp interessieren.". Aber wird es nicht, denn er ist tot! Verfickte Scheiße!
Ich bin so wütend.
Weil er tot ist. Weil ich klar komme. Weil ich mich über Dinge freue. Ich hasse es. Ich müsste immer weinen und bluten und schreien. Alles müsste schwarz sein. Aber es ist nicht schwarz.
Meine Wunden verheilen, aber die letzten Rasierklingenschnitte scheinen besser sichtbare Narben zu hinterlassen und ich freue mich, denn ich brauche sie scheinbar als Mahnmal für meine Trauer und meinen Schmerz.
Philipp hat mich geerdet und menschlich gemacht. Er gab mir Sicherheit und Stabilität und Mut.
Ohne Philipp bin ich ein Tier. Ein Waschbär aus der Mülltonne. Chaos. Rage. Immerhin füllt sich der Hohlraum, den Philipp hinterlässt mit linkem Aktionismus. Gut.
Er hätte es gut gefunden, dass ich mich einsetze und aktiv werde.
Aber noch bin ich zu dumm und muss mehr wissen.
Aber beeindruckend. Was ist daran beeindruckend? Es tut scheiße weh. Man fühlt sich alleine. Für immer alleine. Man fühlt sich wie fünf und allein am Bahnhof. Man weiß nicht wie man zurück kommen soll und man weiß nicht, wohin man soll und man sieht gute Dinge und viel gruselige Dinge. Man macht gruselige Dinge.
Zum Glück ist der Druck nicht stark genug, sonst müsste ich brav Skills verwenden, während ich das rote Zeug und Schmerz und die Nachfolge haben will. Beeindruckend.
Ich stand in der Küche und habe geweint, weil ich mir wieder und wieder eine Sprachnachricht angehört habe, bei der Philipp mir erzählte, dass die Techniker zu dumm zum scheißen sind. Und ich hätte so gerne noch drölfzigtausend Nachrichten gehört mit seiner Stimme.
Meinetwillen auch über Techniker.
Mir egal.
Beeindruckend.
Tag 11. Ich habe heute nicht geweint, ich war nur überfordert, ängstlich, einsam, gelangweilt, enttäuscht. Ich war überfordert mit dem Papierkram, der mir durch Philipps Tod im Haus steht. Ich war ängstlich, weil ich nicht wusste ob die Ärztin mich weiter krank schreiben wird. Einsam, weil ich nun mal alleine bin und Werktag jeder tut, was er tun muss. Da wird aus einem Telefonat schon einmal ein Tageshighlight, auch wenn es nur 5 Minuten sind. Gelangweilt, weil ich halt einfach nur Dinge mache wie "Waschen", "Müll raus", "Einkaufen" und Schwupps ist der Tag vorbei. Enttäuscht von mir selbst, weil ich nun mal nur ich bin und einfach der Chaot in der Beziehung war, der von nichts Ahnung hatte. Wo sind wir versichert? Wir sind aber versichert oder? Es fehlt noch das ekelhafte Gefühl, dass ich da zwei Leuten vor den Kopf gestoßen habe, die mir was Nettes wollten, aber die die falschen Begriffe gewählt haben in ihren Mails. "Wer weiß, ob wir so tapfer ...
Comments
Post a Comment